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2. April 2025"Du kommst hier nicht rein!"
I
n unserer Rubrik "Stille Stars" werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Gastgewerbes und stellen jene vor, die im Verborgenen Großes leisten. Zu dieser Gruppe zählen auch die Türsteher. Sie gehören zum Nachtleben wie Musik uns Cocktails. Wir haben eine von ihnen getroffen, die entscheidet, wer drinnen feiert und wer draußen friert.

" Ich hab noch nicht so viel getrunken!" Diesen Satz hört sie oft, wenn sie nachts vor dem Sehnsuchtsziel vieler Partygänger postiert. Ihr Name ist Sanders, Jessi Sanders. Und sie hat die Lizens zum Ablehnen.
Als Türsteherin der Nachtgalerie selektiert sie seit drei Jahren das Feiervolk. Aber: Wer darf hier eigentlich nicht rein? "Die, die zu betrunken sind. Oder zu aggressiv. Oder einfach zu jung." Seit sie da Abend für Abend steht und für die Sicherheit der anderen verantwortlich ist, kann sie Menschen neu einschätzen. Wenn Gäste kommen und sich in die Schlange vor der Tür einreihen, wissen die wenigsten, dass sie bereits beobachtet werden. Sanders und ihre Kollegen lassen ihren Blick durch die Menge schweifen. Wie verhalten sich die ankommenden Männer und Frauen in der Gruppe? Wie klar ist ihre Aussprache? Passt die Motorik noch? Wird der oder diejenige wirklich tanzen und Spaß haben, oder sich übergeben und provozieren?
Klischees und Realität
Das Security Team sorgt hinter und vor der Tür dafür, dass Gäste entspannt feiern. Sie stellen sicher, dass niemand schlägt, brüllt, grapscht oder sich selbst an der Bar bedient. Allein ihre Anwesenheit sorgt bei vielen für ein Gefühl von Sicherheit. Dabei ist das klassische Türsteher-Klischee für viele: groß, stark, männlich. Mit den ersten beiden Aspekten kann Sanders locker mithalten. Die 1,84 Meter große Frau spielte einst American Football und schreckt nicht zurück vor rauem Körperkontakt. Die meisten lassen sich aber bereits von ihrem autoritären Auftreten lammfromm in die Schranken weisen. Was braucht man außer Kraft und Autorität in diesem Job? "Empathie und gute rhetorische Fähigkeiten", ist Sanders überzeugt. Und tatsächlich sind Geduld und Ruhe meist der Schlüssel zum Erfolg.
Und wie riskant ist der Beruf? "Freilich kann es mal gefährlich werden. Schließlich ist nie klar, wie die Gäste wirklich reagieren. Schläge und Bisse sind aber Einzelfälle. Und Kollegen passen gut aufeinander auf." Zu Stoßzeiten stehen sie zu dritt vor der Tür, ansonsten zu zweit.
Wie reagieren Besucher auf eine Türsteherin? "Die meisten sind überrascht. Eine Frau als Security ist doch eher unbekannt. Manche Frauen und Männer sind im Umgang mit einer Türsteherin entspannter. Das kann helfen, Situation schneller zu deeskalieren."
Veränderungen im Publikum
Hat sich das Publikum in den letzten Jahren geändert? "Es ist seit der Corona-Zeit jünger geworden. Und meiner Meinung nach auch etwas rücksichtloser, Ich-bezogener."
Gibt es einen Unterschied bei Probleme mit Männer und Frauen? "Männer schlagen eher zu. Frauen vertragen den Alkohol manchmal schlechter und sind dann die, die auf der Toilette einschlafen. Das haben wir tatsächlich öfter. Ein rotes Tuch sind bei uns Fußballtrikots. Die müssen Gäste an der Garderobe abgeben. Sonst kann sich der Fan einer anderen Mannschaft davon provoziert fühlen und es kommt zum Streit." Gibt es noch einen anderen Sport, außer Fußball, bei dem Fans aus diesem Grund ihr Trikot an der Garderobe abgeben müssen? "Nein."
"Heute nicht"
Und wie fühlt es sich an, Gäste an der Tür abzuweisen? "Es kommt dann schon oft Diskussionen. Da kommen Sätze wie "Meine Freunde sind schon drin.", "Wenn ihr mich nicht reinlasst, entgeht euch Geld." Oder "Ihr habt ja nur was gegen mich." Aber das ist normal. Damit können wir umgehen. Wenn einer zu sehr angetrunken ist, schicke ich ihn auch manchmal noch für eine Stunde zum Kaffeetrinken an die Tankstelle. Dann kann er wiederkommen und wir prüfen seine Verfassung nochmal. Ansonsten heißt es leider: Heute nicht."