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8. April 2024Soll ich oder soll ich nicht?
I
n einer umfassenden Studie wurde die Situation und Motivation von Nachfolgenden in Familienunternehmen beleuchtet. Basierend auf den Einsichten von über 200 Teilnehmern, lässt sich die Nachfolge in ein "Nachfolgedreieck" aus drei Kernaspekten gliedern.

Prof. Dr. Marcel Hülsbeck (Foto: Hochschule München)
Die Entscheidung zur Nachfolge ist eine Karriereentscheidung
Auch wenn es in vielen Familien nicht explizit thematisiert wird, ist die Entscheidung für die Nachfolge immer eine Entscheidung für eine bestimmte Karriere und gegen eine andere.
- Die Nachfolge ist umso attraktiver, je geringer die Komplexität der damit verbundenen Aufgaben in der Unternehmensführung ist. Kandidaten bewerten, ob sie die fachlichen Anforderungen erfüllen können.
- Die Attraktivität der Nachfolger hängt auch von der (verlockenden) Erwartung der Nachfolgenden ab, im eigenen Unternehmen schneller aufzusteigen als extern. Dabei wird allerdings oft übersehen, dass hierfür auch gewisse Fähigkeiten erforderlich sind.
- Schließlich wägen Nachfolgende ebenso ab, ob es sich finanziell lohnt, das heißt, ob das Unternehmen auch langfristig eine solide wirtschaftliche Grundlage bietet.
Diese Betrachtung der Nachfolge als Karriere ist in Familienunternehmen besonders heikel, da es sich in der Regel um eine irreversible Entscheidung handelt. Nachfolgende, die das Unternehmen doch aufgeben müssen, stehen im Zweifel einem Arbeitsmarkt gegenüber, der für ihre lange erworbenen Fähigkeiten im eigenen Unternehmen kaum Verwendung hat.
Persönliche Motive entscheiden über das gelingen der Nachfolge
Nachfolge ist Vertrauenssache. Nicht nur Vertrauen der Familie in den Nachfolgenden, dem das familiäre und unternehmerische Erbe anvertraut wird, sondern vor allem die Frage, inwieweit die Nachfolgenden auf die psychologische und mentale Unterstützung der Familie vertrauen können. In diesem Kontext stellen sich die Nachfolgenden folgende Fragen:
- Hält sich die Familie an getroffene Vereinbarungen zur Nachfolge?
- Hat die Familie eine gute Absicht mit mir? Werden meine Interessen berücksichtigt oder wird hier mein Leben auf dem Altar des Unternehmens geopfert?
- Hat die Familie Nachfolgeerfahrung? Trau ich der Familie die Kompetenz zu, dass sie mit mir eine gelungene Nachfolge anstreben?
Auch in diesem Feld ist zu beobachten, dass zumindest die zweite und dritte Frage wenig bis gar nicht thematisiert werden. Es ist aber von eminenter Wichtigkeit, auch diese emotionalen Fragen zu klären, da Nachfolge immer eine familiäre und unternehmerische Entscheidung ist.
Die intrinsische Motivation zur Nachfolge hat viele Gesichter
Die intrinsische Motivation der Nachfolgenden ist ein weiterer wichtiger Faktor. Nachfolgende müssen sich mit ihren persönlichen Motiven auseinandersetzen. Mit anderen Worten, die Nachfolgenden brauchen ein gutes „Bauchgefühl“. Dies wird aber leicht von äußeren Erwartungen an die Übernahme der Unternehmerrolle überdeckt. Nachfolgende müssen sich fragen, welches der folgenden Motive für sie persönlich ausschlaggebend wäre
- Werde ich primär durch Erfolg und Leistung motiviert? Ist es für mich entscheidend, das beste, wachstumsstärkste und so weiter Unternehmen zu führen, das möglich ist?
- Ist es mir wichtig, Einfluss auf andere Menschen auszuüben? Möchte ich also gerne „Chef sein“, von meinen Mitarbeitern anerkannt, respektiert oder sogar gefürchtet werden?
- Möchte ich meine Unternehmerrolle nutzen, um Verantwortung für andere zu übernehmen beispielsweise als verantwortungsvoller Arbeitgeber?

Das Nachfolgedreieck
Alle diese Motive kommen bei Nachfolgenden vor und alle haben ihre Berechtigung und können fruchtbar in unternehmerisches Handeln umgesetzt werden. Entscheidend hierfür ist, dass Nachfolgende ihre Rolle auf der Basis ihrer wahren Motive entwickeln, statt sich an traditionellen Rollenerwartungen zu orientieren nach dem Motto: „Der Opa hat das so und so gemacht…“.
Leitfragen zur gelungenen Nachfolge
- Wie bewerten und unterstützen wir die fachlichen Fähigkeiten des Nachfolgenden für eine effektive Unternehmensführung?
- Wie schaffen wir ein familiäres Umfeld, das Vertrauen und Unterstützung für eine erfolgreiche Nachfolge bietet?
- Wie gewährleisten wir, dass die persönlichen
Ziele des Nachfolgenden mit den Unternehmenszielen übereinstimmen?
Weitere Informationen finden Sie unter www.hm.edu/trifam
Zur Person:
Mit Prof. Dr. Marcel Hülsbeck ist im Oktober 2022 ein international etablierter Experte für anwendungsorientierte Forschung zu Familienunternehmen an die Hochschule München berufen worden. Die damit verbundene, erste Spitzenprofessur bündelt die Kompetenzen eines Teams aus Wissenschaftlern rund um die „Transformation und Innovation in Familienunternehmen und kleinen und mittelständischen Unternehmen“ an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften. Zuvor war er Inhaber des WIFU-Stiftungslehrstuhls „Management von Familienunternehmen“ an der Univer[1]sität Witten/Herdecke sowie von 2017 bis 2020 Akademischer Direktor des Wittener Institut für Familienunternehmen.